Auf einen Blick...
Justin Ritter (26) ist Informationssicherheitsbeauftragter, selbstständig im Bereich Automatisierung und engagiert sich in sozialen Projekten. Außerdem ist er Open-Source-Entwickler. Über Stationen im Handwerk als Elektriker und im Gartenbau hat er unterschiedliche Arbeitswelten kennengelernt – und weiß, wie wichtig klare Worte, Verlässlichkeit und praktische Lösungen sind.
Als Oberbürgermeisterkandidat setzt er sich für eine Politik ein, die mehr Diskussion und weniger Streit ermöglicht. Politik darf nicht im Wahlkampf das eine versprechen und später stillschweigend das Gegenteil tun. Wer Naturschutz verspricht, muss Naturschutz liefern. Wer eine Sozialquote ankündigt, darf sie nicht freiwillig abschwächen. Und wer Bürgernähe im Programm hat, sollte engagierte Bürgerinnen und Bürger ernst nehmen, statt sie wegzuschicken.
Ein weiterer Schwerpunkt ist eine bürgerfreundlichere Verwaltung. Digitale Angebote sollen ausgebaut werden – für alle, die den Komfort nutzen möchten. Gleichzeitig braucht es weiterhin analoge Anlaufstellen für Menschen, die digitale Wege nicht nutzen können, nicht nutzen möchten oder den persönlichen Kontakt schätzen. Digitalisierung darf niemanden ausschließen, sondern muss Verwaltung einfacher, verständlicher und zugänglicher machen.
Justins Ziel ist es, Politik für alle zugänglich zu machen, die sich einbringen möchten: freundlich im Umgang, offen im Gespräch und verlässlich in der Sache. Denn am Ende leben wir alle in derselben Stadt. Deshalb braucht es eine Politik, bei der sich Menschen gehört, ernst genommen und einbezogen fühlen – unabhängig davon, wen sie wählen.
Was mir wichtig ist:
Der Ton macht die Musik
Egal ob privat, beruflich oder politisch: Der Ton macht die Musik. Doch in den letzten Jahren ist aus vielen Gesprächen ein Gegeneinander geworden. Zu oft geht es nicht mehr darum, gemeinsam Lösungen zu finden, sondern darum, Recht zu behalten, andere abzuwerten oder ganze Gruppen gegeneinander auszuspielen.
Das muss sich ändern. Wir müssen aufhören, nur an uns selbst und die eigene Gruppe zu denken. Eine Stadt funktioniert nur dann gut, wenn wir auch die Menschen im Blick behalten, die anders leben, anders denken oder andere Probleme haben als wir selbst.
Vertrauen in Politik entsteht nicht durch große Versprechen, sondern durch ehrlichen Umgang. Dazu gehört auch, dass Politik selbst wieder ordentlich miteinander spricht: respektvoll, klar in der Sache und ohne Abneigung. Wer will, dass Bürgerinnen und Bürger miteinander im Gespräch bleiben, muss als Politik mit gutem Beispiel vorangehen.
Digitalisierung muss sinnvoll sein
Digitalisierung ist gut, wenn sie den Menschen hilft. Sie kann Verwaltung einfacher machen, Wartezeiten verkürzen und Mitarbeitende entlasten – aber sie darf niemanden ausschließen. Wer digitale Angebote nutzen möchte, soll das bequem tun können. Wer persönliche Unterstützung braucht oder den direkten Kontakt bevorzugt, muss weiterhin eine gute Anlaufstelle haben.
Gerade in der Kommunalverwaltung kann Digitalisierung viel erleichtern: Anträge vorbereiten, Dokumente sicher austauschen, Termine online buchen, den Bearbeitungsstand einsehen oder Unterlagen nachreichen, ohne dafür jedes Mal ins Bürgerbüro zu müssen oder anzurufen. So können Menschen Verwaltungsangelegenheiten besser in ihren eigenen Tagesablauf integrieren, statt ihren Alltag nach Öffnungszeiten und Behördenterminen ausrichten zu müssen.
Auch beim Bürgerbüro, etwa rund um Ausweisangelegenheiten, sollte so viel wie rechtlich möglich digital vorbereitet werden können, damit Termine kürzer, einfacher und planbarer werden.
Für mich heißt Digitalisierung nicht, schlechte Prozesse teuer ins Internet zu kopieren. Gute Digitalisierung fragt zuerst: Was brauchen die Menschen wirklich? Dann entstehen einfache, verständliche Lösungen. Eine Webseite mit 500 Untermenüs ist nicht intuitiv und ein PDF Dokument ist noch keine moderne Verwaltung.
Dazu gehören offene Standards, Datenschutz, Open Source und mehr digitale Souveränität. Lokale Anbieter und deutsche Software können helfen, langfristig unabhängiger, günstiger und effizienter zu arbeiten. Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein. Sie muss Menschen entlasten, Verwaltung verständlicher machen und allen offenstehen – digital, analog aber vor allem persönlich.
Naturschutz, der Zukunft sichert
Naturschutz ist für mich kein nettes Extra, sondern eine Frage von Verantwortung.
Bäume, Grünflächen, Moore, Parks und unversiegelte Flächen machen Oldenburg lebenswerter. Sie kühlen unsere Stadt, schützen Arten, verbessern die Luft und sorgen dafür, dass Menschen sich in ihrer Umgebung wohlfühlen.
Dabei reicht es nicht, Naturschutz im Wahlkampf groß zu versprechen und ihn dann bei jeder Entscheidung wieder kleinzureden. Wer Bäume wichtig findet, muss sie auch schützen, wenn es konkret wird. Wer Klimaschutz sagt, darf Stadtentwicklung nicht dauerhaft auf Kosten von Grünflächen machen. Und wer Verantwortung übernimmt, darf Naturschutz nicht nur dann gut finden, wenn er niemandem wehtut.
Naturschutz muss bei jeder Entscheidung von Anfang an mitgedacht werden. Dadurch reduzieren sich Reibungspunkte und die Debatte Naturschutz oder Stadtentwicklung wird schnell irrelevant, da es nie eine Option gibt, die den Naturschutz vernachlässigt.
Ich bin derzeit 26 Jahre alt. Die Entscheidungen, die wir heute treffen, werde ich noch lange selbst erleben. Hitze in der Stadt, weniger Grün, mehr versiegelte Flächen und vor allem schlechtere Aufenthaltsqualität sind keine abstrakten Probleme für irgendwann. Sie betreffen mein eigenes Leben, meine Generation und alle, die nach uns in Oldenburg leben wollen.
Für mich heißt Naturschutz deshalb: mehr Stadtgrün, mehr Schutz für Bäume, weniger unnötige Versiegelung und eine Stadtplanung, die Natur nicht als Hindernis betrachtet. Oldenburg soll wachsen können – aber nicht blind, nicht kurzsichtig und nicht auf Kosten der Lebensqualität.
Wirtschaft, die Zukunft schafft
Oldenburg braucht eine Wirtschaftspolitik, die vor Ort funktioniert. Handwerk, Handel, Gastronomie, Dienstleistung, Industrie, Selbstständige und Start-ups schaffen Arbeitsplätze, bilden aus und machen unsere Stadt lebendig. Sie brauchen keine Sonntagsreden, sondern verlässliche Rahmenbedingungen: weniger unnötige Bürokratie, schnellere Verfahren, klare Ansprechpersonen und eine Verwaltung, die ermöglicht statt ausbremst.
Besonders das Handwerk muss stärker in den Fokus. Ohne Handwerkerinnen und Handwerker gibt es keine Energiewende vor Ort, keine Sanierungen, keine moderne Infrastruktur und keine funktionierende Stadt. Wer Klimaschutz praktisch umsetzen will, braucht Menschen, die anpacken können – und Betriebe, die dafür die nötigen Bedingungen haben. Dazu gehören Ausbildung, Betriebsnachfolge, bezahlbare Gewerbeflächen und faire kommunale Vergaben.
Auch Klimaschutz und Wirtschaft dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Gute Klimapolitik kann Betriebe entlasten, Energie sparen, Innovation fördern und neue Chancen schaffen. Dafür braucht es Beratung, Förderung und pragmatische Lösungen statt Symbolpolitik und zusätzlicher Hürden. Klimaschutz gelingt nur, wenn die Menschen und Unternehmen vor Ort ihn auch umsetzen können.
Unsere Innenstadt braucht neue Ideen statt alter Reflexe. Sie muss erreichbar, vielfältig und lebendig bleiben – mit Handel, Kultur, Gastronomie, Wohnen, Aufenthaltsqualität und sinnvollen Zwischennutzungen. Wirtschaftspolitik darf nicht nur große Investoren sehen. Sie muss die Menschen stärken, die hier gründen, ausbilden, arbeiten und Verantwortung übernehmen.
Menschen wieder für Politik begeistern
Politik sollte nicht nur für die eigenen Wähler gemacht werden. Sie sollte für alle Menschen da sein, die in unserer Stadt leben. Für die, die einer Partei zustimmen, genauso wie für die, die eine andere Meinung haben. Denn am Ende nutzen wir dieselben Straßen, dieselben Schulen, dieselben Parks und dieselbe Verwaltung. Wir leben gemeinsam in Oldenburg.
In den letzten Jahren ist Politik oft zu einem Wettbewerb geworden, bei dem es wichtiger scheint, den politischen Gegner schlecht aussehen zu lassen, als gemeinsam Lösungen zu finden. Dabei gehen Respekt, Zuhören aber vorallem die Diskussion selbst verloren. Das schadet nicht nur dem politischen Klima, sondern auch dem Vertrauen der Menschen.
Ich möchte eine Politik, die wieder näher an den Menschen ist. Eine Politik, die zuhört, Entscheidungen nachvollziehbar erklärt und Kritik nicht als Angriff versteht. Gute Ideen werden nicht dadurch besser oder schlechter, dass sie von einer bestimmten Partei kommen. Sie sollten danach bewertet werden, ob sie Oldenburg voranbringen.
Besonders junge Menschen müssen wieder erleben, dass Politik etwas ist, an dem sie teilnehmen können. Politik darf kein geschlossener Kreis aus Parteien, Ausschüssen und Fachbegriffen sein. Wer sich engagieren möchte, soll offene Türen vorfinden und das Gefühl haben, dass die eigene Stimme etwas bewirken kann. Ich trete genau dafür an und reiche allen die Hand, die das vertrauen verloren haben.
Mehr Respekt, mehr Beteiligung und mehr Offenheit sind keine Schwäche. Sie sind die Grundlage dafür, dass Menschen wieder Vertrauen in Politik gewinnen. Und genau dieses Vertrauen brauchen wir, um die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam anzugehen.