Ein spektakuläres Bild, eine empörende Überschrift oder ein angebliches Zitat verbreitet sich in sozialen Netzwerken oft innerhalb weniger Minuten. Ob die Behauptung stimmt, wird dagegen häufig erst später geprüft.
Durch KI-Systeme wie ChatGPT, Claude und Gemini ist es zusätzlich einfacher geworden, glaubwürdig wirkende Texte, Bilder, Stimmen und Videos zu erzeugen. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder KI-Inhalt automatisch falsch ist – und ebenso wenig, dass menschlich erstellte Inhalte automatisch vertrauenswürdig sind.
Dieser Beitrag zeigt dir, wie du Falschinformationen systematisch erkennst und welche Werkzeuge dich dabei unterstützen können.
Was sind Falschinformationen?
Falschinformationen sind falsche oder irreführende Inhalte. Dabei wird grundsätzlich zwischen verschiedenen Formen unterschieden:
- Fehlinformation: Eine falsche Information wird ohne Täuschungsabsicht weitergegeben. Die Person glaubt möglicherweise selbst, dass sie stimmt.
- Desinformation: Eine falsche oder manipulierte Information wird bewusst verbreitet, um Menschen zu täuschen oder ihre Meinung zu beeinflussen.
- Irreführende Information: Einzelne Fakten können stimmen, werden aber aus dem Zusammenhang gerissen oder so dargestellt, dass ein falscher Eindruck entsteht.
- Satire und Parodie: Inhalte sind bewusst übertrieben oder erfunden. Problematisch werden sie, wenn sie ohne den ursprünglichen Kontext weiterverbreitet und für echt gehalten werden.
Auch echte Bilder, Videos und Zitate können für Desinformation verwendet werden. Ein Foto muss beispielsweise nicht manipuliert sein, um zu täuschen. Oft reicht es bereits, ein altes Foto mit einer falschen Orts- oder Zeitangabe zu veröffentlichen.
Warum verbreiten sich Falschinformationen so schnell?
Falschinformationen sprechen häufig starke Gefühle an: Angst, Wut, Empörung oder Schadenfreude. Genau diese Emotionen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Beitrag spontan geteilt wird.
Besonders vorsichtig solltest du deshalb werden, wenn ein Beitrag:
- dich sofort wütend oder ängstlich macht,
- eine komplizierte Situation extrem vereinfacht,
- eine bestimmte Personengruppe pauschal beschuldigt,
- angeblich etwas zeigt, „das die Medien verschweigen“,
- enormen Zeitdruck erzeugt,
- zum sofortigen Teilen auffordert,
- keine überprüfbaren Quellen nennt.
Starke Gefühle sind kein Beweis für eine Falschinformation. Sie sind aber ein guter Grund, kurz innezuhalten und den Inhalt zu überprüfen.
Die wichtigsten Schritte beim Faktencheck
1. Prüfe nicht nur die Überschrift
Überschriften sollen Aufmerksamkeit erzeugen und verkürzen deshalb häufig den tatsächlichen Inhalt. Manchmal widerspricht der Artikel sogar dem Eindruck, den seine Überschrift vermittelt.
Lies deshalb den vollständigen Beitrag und achte darauf, ob die zentrale Behauptung tatsächlich belegt wird.
2. Suche nach der ursprünglichen Quelle
Frage dich:
- Wer hat die Behauptung zuerst veröffentlicht?
- Wird eine konkrete Studie, Behörde, Rede oder Statistik genannt?
- Führt der Link wirklich zur Originalquelle?
- Stützt die Quelle die Behauptung oder wird sie nur erwähnt?
Ein Screenshot ist keine verlässliche Quelle. Überschriften, Social-Media-Beiträge und angebliche Zitate lassen sich sehr leicht nachbauen oder verändern.
3. Prüfe Autor und Absender
Schau dir die veröffentlichende Webseite oder das Profil genauer an:
- Gibt es ein Impressum?
- Ist ein verantwortlicher Autor genannt?
- Werden Fehler sichtbar korrigiert?
- Trennt die Seite zwischen Nachricht, Meinung und Werbung?
- Veröffentlicht sie nachvollziehbare Quellen?
- Ist die Internetadresse korrekt geschrieben?
Täuschende Seiten verwenden teilweise Adressen und Logos, die bekannten Medien sehr ähnlich sehen.
4. Vergleiche mehrere unabhängige Quellen
Eine einzelne Quelle kann sich irren. Suche deshalb nach der zentralen Behauptung und prüfe, ob mehrere voneinander unabhängige und seriöse Stellen darüber berichten.
Wenn zahlreiche Beiträge lediglich dieselbe Agenturmeldung oder denselben Social-Media-Post übernehmen, handelt es sich nicht automatisch um mehrere unabhängige Bestätigungen.
5. Kontrolliere Datum, Ort und Zusammenhang
Alte Bilder und Meldungen werden regelmäßig als aktuelle Ereignisse ausgegeben. Prüfe daher:
- Wann wurde der Inhalt erstmals veröffentlicht?
- Passt das Wetter zur angeblichen Jahreszeit?
- Stimmen Sprache, Kennzeichen, Gebäude und Verkehrsschilder mit dem genannten Ort überein?
- Wurde ein Zitat gekürzt?
- Was wurde unmittelbar davor oder danach gesagt?
6. Trenne Tatsachen von Meinungen
Aussagen wie „Das Gesetz wurde am 1. Juli beschlossen“ sind überprüfbar. Aussagen wie „Dieses Gesetz ist ungerecht“ sind Bewertungen.
Eine Meinung kann zugespitzt oder einseitig sein, ohne eine Falschinformation zu sein.
Problematisch wird es, wenn überprüfbare Tatsachen erfunden oder so verkürzt werden, dass eine falsche Schlussfolgerung entsteht und entsprechend darauf spekuliert wird, dass Leserinnen und Leser den Inhalt Missinterpretieren.
Kann man KI-generierte Texte sicher erkennen?
Nein. Derzeit kann kein öffentlich verfügbares Werkzeug zuverlässig beweisen, dass ein Text von ChatGPT, Claude, Gemini oder einem bestimmten anderen Sprachmodell geschrieben wurde.
KI-Detektoren suchen nach statistischen Mustern. Ihre Ergebnisse sind lediglich Wahrscheinlichkeiten. Überarbeitete KI-Texte können unentdeckt bleiben, während menschliche Texte fälschlicherweise als KI-generiert eingestuft werden.
OpenAI hat seinen eigenen öffentlichen Textklassifikator bereits 2023 wegen zu geringer Genauigkeit eingestellt. In der damaligen Auswertung erkannte er nur 26 Prozent der untersuchten KI-Texte und stufte gleichzeitig neun Prozent der menschlichen Texte fälschlicherweise als KI-generiert ein. OpenAI erläutert hier die Einschränkungen des eingestellten Klassifikators.
Das Ergebnis eines KI-Detektors sollte daher niemals als alleiniger Beweis oder Grundlage für einen öffentlichen Vorwurf dienen. Auch wenn es mittlerweile neue Techniken gibt, wie z.B SynthID und Manifests gibt kann nicht immer sicher festgestellt werden, dass ein Inhalt tatssächlich echt ist (oder ggf. unecht).
Werkzeuge zum Erkennen möglicher Falschinformationen
- dpa-Faktencheck per Whatsapp
- Die Deutsche Presse-Agentur überprüft politische Behauptungen, Bilder, Videos und Beiträge aus sozialen Netzwerken
- Correctiv.org Faktencheck per Whatsapp
- Ähnlich zu dpa
- Google Fact Checker
- Der Google Fact Check Explorer durchsucht die Veröffentlichungen verschiedener Faktencheck-Redaktionen. Sofern ein Datum bereits vorliegt, wird dir dieses hier angezeigt.
Werkzeuge zum Erkennen möglicher KI Inhalte (KI-Fakes)
- OpenAI Verify
- OpenAI Verify untersucht unterstützte Bilder und Audiodateien auf Herkunftssignale von OpenAI. Dazu gehören unter anderem C2PA-Manifests und unsichtbare SynthID-Wasserzeichen, die bei der Generierung eingefügt werden.
- Gemini SynthID-Prüfung
- Ähnlich zu OpenAI Verify.
- Content Credentials Verify
- Anders als SynthID, wo die Markierung direkt im Inhalt liegt und damit nur bekannt ist, dass es sich um KI Inhalte handelt, werden bei C2PA (Content Credentials) die Herkunfts- und Bearbeitungsdaten als Metadaten eingebettet und signiert. Dadurch kann erkannt werden ob die Content Credentials manipuliert worden sind und wo die Datei herkommt.
Werkzeuge zum finden vol Bildquellen
- Google Lens
- Google Lens findet ähnliche Bilder zum hochgeladenen. Damit kannst du ggf. alte Bilder identifizieren, denn häufig werden Bilder von alten Vorkommnissen missbraucht um sie als aktuelles Ereignis zu zeigen und Empörung auszulösen
WICHTIG
Diese Tools sind gut um dir ein Bild zu machen. Du musst aber trotzdem immer die Quelle checken.