Wenn für ein städtisches Bauvorhaben ein großer alter Baum gefällt wird, reicht es nicht unbedingt aus, einfach irgendwo einen jungen Baum nachzupflanzen.
Genau hier setzt das sogenannte Kronenvolumenmodell an.
Der Stadtrat hat beschlossen, die Kompensation bei städtischen Baumfällungen im Rahmen von Eingriffsvorhaben stärker nach dem tatsächlich verlorenen Grünvolumen auszurichten.
Was ist das Kronenvolumenmodell?
Eine große alte Eiche besitzt eine wesentlich größere Krone als ein frisch gepflanzter Jungbaum.
Die Krone hat dabei eine wichtige Funktion: Sie spendet Schatten, bindet CO₂, verdunstet Wasser, bietet Lebensraum und trägt zur Kühlung ihrer Umgebung bei. Deshalb wird das Kronenvolumen des zu fällenden Baumes näherungsweise berechnet.
Anschließend wird betrachtet, welches Kronenvolumen ein neu gepflanzter Baum nach etwa zehn Jahren erreicht. Aus dem Verhältnis ergibt sich, wie viele neue Bäume gepflanzt werden müssen.
Das bedeutet: Ein großer gefällter Baum kann durch mehrere neue Bäume kompensiert werden müssen.
Warum zehn Jahre?
Ein frisch gepflanzter Baum kann die Funktion eines großen Altbaumes nicht sofort übernehmen. Ziel des Oldenburger Modells ist deshalb, dass das verlorene Kronenvolumen durch die Ersatzpflanzungen innerhalb eines Zeitraums von ungefähr zehn Jahren wieder erreicht wird.
Das ist ein deutlich anderer Ansatz als ein einfaches Prinzip „ein Baum gefällt, ein Baum gepflanzt“.
Warum ist das für alle relevant?
Gerade bei Bauprojekten geraten Bäume regelmäßig in Konflikt mit Straßen, Gebäuden und anderer Infrastruktur.
Wenn eine Fällung unvermeidbar ist, soll durch die neue Kompensation zumindest besser berücksichtigt werden, welchen tatsächlichen ökologischen Wert der verlorene Baum hatte.
Damit können für Projekte allerdings auch deutlich umfangreichere Ersatzpflanzungen notwendig werden.
Für uns bleibt entscheidend:
Stadtentwicklung und der Schutz unseres vorhandenen Stadtgrüns dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Wo Bäume erhalten werden können, sollte ihr Erhalt Vorrang haben. Wo eine Fällung unvermeidbar ist, muss der Verlust angemessen ausgeglichen werden.
Am Ende schützt eine Lebenswerte Stadt jedes in der Vergangenheit gemachte Investment. Daher sollte die Lebensqualität der Stadt für Stadtverwaltung und Investoren eine langfristige Rolle spielen. Oldenburg macht damit einen guten Schritt nach vorne.